Rauchverbot bei Ausübung des
Schachsports
Initiative ging von
Kaiserslautern aus
Laut Einladungsschreiben zur
Erweiterten Vorstandssitzung des PSB vom 08.06.1980 (TOP 11) beantragte der SK
Kaiserslautern (der Unterzeichner war damals 1. Vorsitzender des Vereins)
Folgendes:
„Für die Spielzeit 1980/1981 soll in
der TO des PSB folgender Passus aufgenommen werden: Auf Antrag eines
Mannschaftsführers darf von allen am Spiel beteiligten Spielern im Spiellokal
nicht geraucht werden. Der Antrag kann bereits vor Beginn der Spielzeit,
spätestens vor Beginn des Mannschaftskampfes gestellt werden. Der Turnierleiter
gibt das Rauchverbot vor Beginn des Mannschaftskampfes mit der
Mannschaftsaufstellung bekannt. Verstöße gegen das Rauchverbot sind vom
Turnierleiter zu ahnden (Ermahnung, Verwarnung, Partieverlust, Verweis aus dem
Spiellokal). Auf der Spielberichtskarte ist – zur späteren Auswertung – ein
Vermerk über das Rauchverbot anzubringen. Der Heimverein soll dafür Sorge
tragen, dass die Mannschaftskämpfe in Räumen ausgetragen werden, in denen das
Rauchverbot durchgesetzt werden kann. Diese Regelung soll zunächst für ein
Probejahr eingeführt werden. Nach Ablauf des Spieljahres 1980/1981 ist eine
endgültige Regelung zu treffen.
Begründung zu diesem Antrag:
Bei der diesjährigen Generalversammlung
des PSB wurde der Antrag auf ein generelles Rauchverbot von der Mehrheit der
Delegierten abgelehnt und darauf verwiesen, dass zunächst die Erfahrungen in
Sachen Rauchverbot beim 49. Pfälzischen Schachkongress in Kaiserslautern (im
Jahr 1980) abgewartet werden sollen. Die hier gewonnenen Erfahrungen beim
größten pfälzischen Schachturnier sind eindeutig für ein Rauchverbot während
der Ausübung des Wettkampfsportes. Das Rauchverbot wurde von den rund 250
Teilnehmern und auch von den Besuchern voll beachtet und mit überwältigender
Mehrheit begrüßt. Auch im Saarland und in Hamburg haben große Turniere mit
Rauchverbot stattgefunden; auch dort kam man zu gleichen Ergebnissen.
Folgende Gründe sollten zusätzlich
beachtet werden:
a) Verbandsführung
und Sportbund sind mehrheitlich für das Rauchverbot.
b) Schutz der
Jugend! Jugendliche, die in Mannschaftskämpfen mitspielen, werden durch das
Rauchen gesundheitlich gefährdet; nach neuesten Untersuchungen ist der
Nikotingenuss bei Jugendlichen oft die Vorstufe zur Drogenabhängigkeit.
c) Keine
Sportart lässt das Rauchen während der Ausübung des Wettkampfes zu.
d) Die
FIDE-Regeln geben in Artikel 19 Abs. 1 und 2 dem Turnierleiter das Recht, einem
Spieler das Rauchen zu verbieten, wenn der Gegner dadurch gestört wird.“
Das Rauchverbot wurde endgültig im Juli
1982 in die TO des PSB, nach entsprechendem Beschluss der MV, aufgenommen.
Bereits im Festheft zum 53. Pfälzischen
Schachkongress im Jahr 1984, ausgerichtet vom SC Thallichtenberg, ist
ausgeführt: „Rauchverbot: Im Turniersaal ist das Rauchverbot von allen
Teilnehmern und Besuchern zu beachten“.
Im Jahr 1986 fanden die Pfalz- und
Rheinland-Pfalz-Einzelmeisterschaften (im Rahmen des 55. Pfälzischen
Schachkongresses) in Speyer statt. Hier schreibt der Ausrichter im Festheft:
„Rauchverbot: In den Turniersälen gilt das Rauchverbot für alle Teilnehmer und
Besucher. Im gesamten Foyer der Stadthalle darf nach Herzenslust geraucht
werden.“
In den letzten 25 Jahren hat sich die
Einstellung zum Rauchen wesentlich gewandelt. Der Schutz der Nichtraucher wurde
erheblich verbessert. Man muss nicht erst eine Schachtel Zigaretten kaufen, die
heute den Hinweis enthalten muss „Rauchen kann tödlich sein“, um die großen
Gefahren (auch für die Passivraucher) zu erkennen.
Der Unterzeichner trat im Jahr 1957 als
16jähriger in den Schachklub in Kaiserslautern ein. Damals spielte der Verein,
wie viele Vereine, im Nebenzimmer eines Lokals. Bereits beim Eintreten in den
Schachraum begab man sich in eine Räucherkammer. Pfeifen-, Zigarren- und
Kettenraucher waren an der Tagesordnung. Die Augen tränten, Vereinskameraden
waren aus einer Entfernung von wenigen Metern oft nicht mehr zu erkennen. Die
Mutter musste nach dem Klubabend die getragene Kleidung sofort lüften bzw.
waschen. Rauchen gehörte damals zum Schachspiel.
Leidvolle Erfahrungen in der eigenen
Familie veranlassten mich, gegen diese „Raucher-Bastion“ vorzugehen. Es
war zunächst, da die Zeit dafür noch
nicht reif war, ein dornenreicher und mühsamer Weg. Mein Sohn Stefan, damals
keine 10 Jahre alt, musste in einem Mannschaftskampf gegen einen ältern Herrn
antreten, der nicht sehr gut Schach spielte, dafür aber gute (lange und dicke)
Zigarren rauchte. In Gewinnstellung musste Stefan die Partie aufgeben, da sein
Gegner ihm oft absichtlich den Zigarrenrauch ins Gesicht hauchte und er mit
geröteten Augen und weinend das Spiellokal verlassen musste.
Was heute selbstverständlich ist, war
vor noch nicht 25 Jahren undenkbar. Meiner Initiative zur Einführung des
Rauchverbotes wurde damals (auch auf der Generalversammlung des PSB im Jahr
1980) u.a. mit folgenden Argumenten begegnet: „Das ist das Ende des
Schachsports“, „eine Prozesslawine wird den PSB erreichen und finanziell
ausbluten“, „die Schachspieler werden in großer Zahl abspringen und ggf. eine
selbständige Schach-Raucher-Vereinigung gründen“. Nichts ist eingetreten. Die
Mitgliederzahlen konnten weiter gesteigert werden. Der Schachsport ist dank
Rauchverbot glaubwürdiger geworden. Auch die FIDE sollte diese Regelung aufnehmen
und nicht nur in Art. 12.4 auf „Nebenräume für Raucher“ bzw. in Art. 12.5 „Es
ist verboten, den Gegner auf irgendwelche Art abzulenken oder zu stören“ zu
verweisen.
Während in der Pfalz ab dem Spieljahr
1981/1982 das Rauchverbot dank meiner zähen Bemühungen zu beachten ist, konnte
dieses z.B. in Baden erst rund 10 Jahre später ab dem Spieljahr 1990/1991
durchgesetzt werden. Der Kampf für den nikotinfreien Schachsport hat sich
durchgesetzt. Er begann in Kaiserslautern und darauf bin ich ein wenig stolz.
Auf der Homepage des
„schachbezirk-freiburg.de/2004/archiv/regeln/streit. htm“ fand ich bei meinen
Recherchen folgenden Artikel:
„Nichtraucherfall (1981). 1981 reiste
Ebringen II – ohne gespielt zu haben – vom Spiel gegen Münstertal III wieder
ab, weil im dortigen (Ersatz)-Spiellokal Rauchverbot herrschte. Die Partie
wurde daraufhin von Bezirksspielleiter Saffran als kampfloser Sieg für
Münstertal gewertet. Ebringen protestierte mit Hinweis auf das Rauchverbot beim
Landesturnierleiter – ebenfalls damals Herr Saffran – der seine eigene
Entscheidung wegen der ihm neuen Fakten revidierte und die Partie neu ansetzte.
Außerdem entschied er u.a.: Dem SC Münstertal wird zur Auflage gemacht, bei
Beibehaltung des Spiellokals in seinen künftigen Ranglisten das Rauchverbot
deutlich zu kennzeichnen. Bei rechtzeitigen (schriftlichen) Einsprüchen ist
dann entweder ein anderes Spiellokal anzubieten oder im Spiellokal des Gegners
zu spielen. Einsprüche gegen das „rauchfreie“ Spiellokal hätten dann mindestens
10 Tage vor dem angesetzten Spieltermin zu erfolgen. Dagegen protestierte
wiederum Münstertal beim Turnierausschuss. Dessen damaliger Vorsitzender Prof.
Hermann Schreiner begründete die Ablehnung des Münstertaler Protestes wie
folgt: So sehr auch alle Bemühungen, das Rauchen beim „Schachsport“ –
insbesondere bei Teilnahme von Jugendlichen – einzuschränken, begrüßt werden
müssen, so muss doch auch festgestellt werden, dass es vorläufig jeglicher
Grundlage in unserer Turnierordnung oder in den Spielregeln entbehrt. Man muss
vielmehr feststellen, dass es für einen selbst leichten Gewohnheitsraucher eine
unzumutbare nervliche Belastung ist, auf das Rauchen zu verzichten,
insbesondere während einer vielleicht schwierigen Zeitnotphase einer langen
Turnierpartie. Daher kann dieser doch schwerwiegende Eingriff in das
persönliche Verhalten ohne vorherige rechtzeitige Bekanntgabe nicht
durchgesetzt werden, woran auch die bedauerlichen Probleme mit dem Spiellokal
nichts ändern können. Daher kann für die Zukunft zunächst nur versucht werden,
gemäß dem Vorschlag des Verbandsspielleiters zu verfahren, wodurch es
vielleicht gelingt, viele „nichtrauchende“ Mannschaftskämpfe in Münstertal
durchzuführen. Die Gegner müssen aber darüber rechtzeitig im Voraus informiert
sein und haben das Recht, das Rauchverbot abzulehnen.“
Klaus Kehrein,
(Präsident des PSB und
Ehrenvorsitzender der Schachgemeinschaft Kaiserslautern-Mehlingen e.V.)